Für manche war es überraschend, für mich war es geplant: Ich bin in den Ruhestand gegangen. 25 Jahre Windenergie-Beratung – ein Dankeschön und ein paar klare Worte zur Gegenwart.

Als ich anfing, war Windenergie in Deutschland ein Nischenmarkt. Heute ist sie tragende Säule der Stromversorgung. Ich bin dankbar, dass ich diese Entwicklung beratend, mitgestaltend und mit Ihnen zusammen vorantreiben durfte – mit Projekten, Entscheidungen und manchmal auch hartem Gegenwind. | zum Rückblick …
Preisbewegungen, Ausschreibungsdynamik, Genehmigungswellen – das gehört zur Branche. Was mich stärker umtreibt: geopolitische und gesellschaftliche Entwicklungen, die Investitionssicherheit und Klimapolitik direkt berühren. Deshalb formuliere ich in meinem Abschied bewusst klar – auch wenn es polarisiert. | zum Klartext …
Zum Schluss: Was mir aus der Zusammenarbeit bleibt – und was ich Ihnen für die nächsten Jahre wünsche. | zum Abschied …

Im März 2026 bin ich 68 Jahre alt geworden und – wie geplant – in den Ruhestand gegangen. Nach mehr als 25 Jahren Beratung im Bereich der Windenergie möchte ich mich verabschieden. Nicht mit einem kurzen Satz, sondern mit einem persönlichen Rückblick auf das gemeinsame Erreichte – und mit klaren Worten zur Gegenwart.

Im Jahr 2000 betrug die in Deutschland installierte Leistung der Windenergie an Land gerade 6.095 MW. Der Anteil an der Stromerzeugung lag bei 2,5 %, die Anlagen hatten durchschnittlich 1,114 MW installierte Leistung. Offshore fand damals praktisch noch nicht statt – abgesehen von wenigen Nearshore-Demonstrationsanlagen in Dänemark und Schweden.
Das wollten wir ändern. Wir haben damals den Informationsfilm „fascination offshore“ entwickelt, um Potenzial und Stand dieser Technologie sichtbar zu machen. In der Einleitung hieß es sinngemäß: Unser Film und das Booklet können nur eine Momentaufnahme sein – in zehn Jahren sind sie vielleicht ein Dokument vom Beginn einer neuen Ära.
Aus Vision wurde Realität: Offshore sind heute weltweit rund 92.500 MW Windenergieleistung installiert.
Heute sind in Deutschland onshore rund 68.000 MW und offshore etwa 10.000 MW installiert. Der Anteil der Windenergie an der deutschen Nettostromerzeugung lag 2025 bei rund 31,8 % – Windkraft ist damit die stärkste Quelle im deutschen Strommix. Weltweit sind inzwischen mehr als 1.300.000 MW Windenergieleistung installiert.
Ende 2025 konnten in Deutschland Rekorde vermeldet werden: neu erteilte BImSchG-Genehmigungen mit über 20.000 MW, bezuschlagte Projekte mit rund 14.000 MW sowie ein Bruttozubau von etwa 6.000 MW. Aktuell sind mehr als 30.000 MW Windprojekte in Ausschreibungen bezuschlagt und werden voraussichtlich bis Ende 2028 errichtet sein.
Aufgrund der Vielzahl neu erteilter Genehmigungen sehen wir einen starken Preisverfall bei den Gebotspreisen – das trübt die Stimmung. Ich halte das für eine vorübergehende Delle. Die Branche hat schon andere Phasen erlebt und gemeistert.
Windenergie wurde lange als Nischenmarkt betrachtet, dem man keinen wesentlichen Beitrag zur Stromversorgung zutraute. Die Widerstände in Politik und bei etablierten Energieversorgern waren stark – sie haben Entwicklungen gebremst, aber nicht gestoppt.
Gleichzeitig gab es früh Menschen, die den Ausbau möglich gemacht haben: Unterstützer, Visionäre, politische Wegbereiter. Stellvertretend nenne ich Hermann Scheer, Klaus Töpfer, Hans-Josef Fell und Jürgen Trittin. Besonders erwähnen möchte ich auch Robert Habeck: Mit konsequentem Handeln in den Jahren 2022 bis 2024 wurde die Energiewende spürbar beschleunigt und der Ausbau erneuerbarer Energien vorangebracht.

Auf politischer Ebene mussten wir in den letzten Jahren erhebliche Rückschläge hinnehmen – Entwicklungen, die ich mir persönlich vor einiger Zeit nicht vorstellen konnte: der Aufstieg der rechtsextremen AfD in Deutschland (und mein eigenes Gefühl, mich politisch zu wenig eingemischt zu haben), der seit 2022 tobende Angriffskrieg Putins gegen die Ukraine – und Anfang 2025 übernimmt der wiedergewählte Klimaleugner Donald Trump sein Amt als US-Präsident.
Am 23. September 2025 sprach Donald Trump vor der UN-Vollversammlung in New York. Er geißelte die Klimaschutzbemühungen der Vereinten Nationen, bestritt den menschengemachten Klimawandel und nannte Klimapolitik einen „Scam“.
Am 2. Januar 2026 bombardieren die USA Venezuelas Hauptstadt Caracas völkerrechtswidrig; das US-Militär nimmt Präsident Nicolás Maduro und seine Frau im Palast fest. Gleichzeitig droht Trump u. a. Kolumbien und Kuba mit ähnlichen Maßnahmen.
Trump bekräftigt außerdem den territorialen Anspruch der USA auf Grönland, das zu Dänemark gehört – einem NATO-Mitglied.
Am 28. Februar 2026 greifen die USA gemeinsam mit Israel völkerrechtswidrig den Iran an.
Der US-Präsident und seine Regierungsmitglieder zerstören – so sehe ich es – systematisch Teile der weltweiten Handels- und Rechtsordnung und werden zum Kriegstreiber. Vertrauen wird verspielt – und ohne Vertrauen zerbricht das, was Gesellschaften zusammenhält: Verlässlichkeit, Regeln, Kooperation. Die Folgen treffen Menschen zuerst – und am Ende werden auch Märkte teuer, politisch wie wirtschaftlich.
Auf geopolitischer Ebene sehe ich im Augenblick leider kein „Licht am Ende des Tunnels“. Ich erlebe eine Verschiebung: weg von einer regelbasierten Welt, hin zu einer Welt, in der der Stärkere seine Macht ausnutzt – notfalls mit Gewalt. Demokratien sind auf dem Rückzug, Autokratien und Egomanen auf dem Vormarsch. Und die Erfahrung hat uns gezeigt: Ohne Demokratie kein wirklicher Menschen- und Umweltschutz.
Ich bin weiterhin überzeugt, dass die Zukunft der Energieversorgung in Deutschland und weltweit langfristig den erneuerbaren Energien gehört – in Verbindung mit Batteriespeichern. Aber es wird Kraft kosten: Autokraten zu stoppen, Demokratien zu stärken und Kurs zu halten.
Ich halte mich dabei an Victor Hugo:
„Nichts auf der Welt ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“

Wenn ich auf die vergangenen 25 Jahre zurückblicke, denke ich nicht zuerst an Zahlen, sondern an Menschen: an offene Gespräche, an harte Diskussionen, an pragmatische Lösungen – und an den Respekt, der Zusammenarbeit möglich macht.
Gemeinsam haben wir in dieser Zeit viel beim Ausbau der Windenergie und der erneuerbaren Energien erreicht. Das war nicht selbstverständlich. Umso dankbarer bin ich, dass ich ein Stück dieses Weges mit Ihnen gehen durfte.
Die Zusammenarbeit mit Ihnen habe ich als angenehm, konstruktiv und zielführend erlebt – und sie hat mir Freude gemacht. Ich danke Ihnen herzlich für Ihr Vertrauen, teils über viele Jahre und Jahrzehnte.
Für die kommenden Jahre wünsche ich Ihnen Planungssicherheit, verlässliche Partner und eine ruhige Hand bei Entscheidungen. Der Ausbau der Erneuerbaren bleibt eine Aufgabe, die Ausdauer braucht – und klare Rahmenbedingungen. Ich bin überzeugt: Die Branche wird sie leisten.
Herzliche Grüße
Klaus Övermöhle
